Es muss ja kein Picasso sein! Impulse zum Visualisieren in der Lehre

Warum ausgerechnet Picasso? Meine erste Assoziation beim Suchen eines Titels für meinen neuen Workshop an der Universität Zürich war ziemlich treffend: Bei Picasso geht es häufig um Augen. Da gibt es zentrierte, sehr fokussierte Augen, aber auch personenübergreifende, quasi interdisziplinäre Augen.  Es geht also ums Sehen und darum, das Sehen zu möglich zu machen.

Agenda Landkarte
Landkarten-Agenda von „Es muss ja kein Picasso sein!“

Visualisierungen ermöglichen es  – anders als das gesprochene oder geschriebene Wort –  sich rasch einen Überblick zu verschaffen, komplexe Zusammenhänge und (nicht-lineare) Sachverhalte schnell zu erfassen. Werden Informationen multisensorisch vermittelt, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass sie erinnert werden. Ungewohnte und unerwartete Darstellungsformen können irritieren und gerade diese Irritation trägt dazu bei, dass die Aufmerksamkeit der Zuhörenden steigt, weil sie einen Impuls erhalten, aus vielleicht ungewohnter Perspektive über etwas nachzudenken. Visualisierungen können – richtig eingesetzt – Präsentationen und Vorträge für  Lehrende wie Lernende gleichermassen informativ und fesselnd machen. Und um Lerngegenstände gut zu visualisieren, muss man kein Picasso sein. Mit einfachen Tricks gelingt dies jedem. Was braucht es dazu?

  • Ein bisschen Grundwissen über die sogenannten Gestaltgesetze,
  • eine bewusste Entscheidung für ein Präsentationsmedium,
  • ein Repertoire an Bildern und Zeichen.

Die ersten beiden Punkte sind schnell vermittelt. Eine gute Übersicht über die Gestaltgesetze bietet e-teaching.org. Zum Medium: Ich entscheide mich z.B. immer dann für PowerPoint, wenn ich ganz lineare Sachverhalte vermitteln möchte oder wenn ich viele verschiedene Dinge nebeneinander zeigen will (siehe bspw. hier). Will ich aber Querverweise sichtbar oder in Bildern auf Details aufmerksam machen oder gar mit einem grösseren Kontext überraschen, dann nehme ich Prezi, wie etwa hier. Und für Agenden zum Aufhängen, für schnelle Konzepte, Mitschriften in Workshops und spontane Visualisierungen nutze ich das Flipchart.

Das Erfolgsgeheimnis ist, so meine ich, die Sammlung an Bildern und Zeichen, die man sich Stück für Stück anlegt. Bei Fotos ist das etwas schwieriger, man kann nicht erzwingen, ein passendes Bild zu finden. Aber man sollte die Augen offen halten und sich immer wieder die Zeit nehmen, den eigenen Bilderfundus durchzusehen. Als ich den Vortrag „Dörfi, söli, muesi“ vorbereitet habe, hatte ich auch nicht gleich die Tür des Lernzentrums im Sinn.

Berg-Agenda
Berg-Agenda

Bei Visualisierungen ist das etwas anderes, da kann man sich sein Repertoire erarbeiten, z.B. für eine Agenda. Für kurze Veranstaltungen oder solche mit festgelegtem Ablauf entscheide ich mich für die „Berg-Agenda“. Bei längeren Veranstaltungen, zumal solchen, in denen ich flexibel auf die Wünsche und Bedarfe der Teilnehmenden eingehen möchte, entscheide ich mich für die „Landkarten-Agenda“. Diese bietet aus meiner Sicht mehr Platz, um mit Klebzetteln flexible Programmpunkte einzubauen und wenn nötig immer wieder neu anzuordnen.

Und nicht zuletzt erweitere ich mein „Icon“-Repertoire, wann immer ich kann. Den „Stift“ benutze ich um Aufgaben zu symbolisieren, der Koffer bedeutet „Erwartungen“, der „Heissluftballon“ visualisiert hemmende Faktoren (Sandsäckchen) und fördernde Faktoren (Auftrieb), beides zusammen kann man als „Herausforderungen“ betiteln. Viele tolle Anregungen und Anleitungen habe ich hier gefunden.

Und ja: Meine Visualisierungen haben Schwächen, mir gelingt es nicht immer, alles richtig gut darzustellen. Aber: Es muss ja kein Picasso sein!

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