Letzte Woche Montag eröffnete die Stuttgarter Stadtbibliothek am Mailänder Platz nach drei Jahren Bauzeit ihre Portale. Die Metaphern für den Bau des koreanischen Architekten Eun Young Yi sind vielfältig: Medientempel, Büchertempel, Bücherwürfel, aber auch prison library (aus einem meiner Interviews zu Bibliotheksarchitektur in Oxford), das neue Stammheim (gemeint ist die JVA Stuttgart) …
Am vergangenen Dienstag nutze ich die Gelegenheit für eine Ortsbegehung inkl. einer Führung durch das Haus, deren Ziel es war, das architektonische Konzept zu vermitteln. Meine ersten Eindrücke möchte ich im Folgenden zusammenfassen.
Der im Herbstlicht grau schimmernde Bau der Stadtbibliothek ist schon aus der Entfernung sichtbar, die Assoziation prison library drängt sich auf.

Die Symbolik des Baus ist wohl für den nicht mit der asiatischen Kultur vertrauten Europäer nicht erkennbar. Die dem Bibliothekswürfel zugrunde liegende Form des Quadrats versinnbildlicht das Irdische. Die Ausrichtung folgt streng den Himmelsrichtungen. Die 3 als magische Zahl wird potenziert: 3×3 Fenster breit und genauso lang und tief ist das Gebäude. Hier verbindet sich das Magisch-Göttliche mit dem Irdisch-Menschlichen. Es ist ein Bildungstempel, die magische Symbolik ist gewollt. Die Bibliothek als sakralisierter Raum, als Tempel des Wissens. Weiterlesen Stuttgarts neuer Bildungstempel: Die Stadtbibliothek am Mailänder Platz


scheint die Ausstellung die Position der Renaissance zu stärken. Zeitgenössische Bibliotheken werden jetzt und auch in Zukunft gebaut. Bibliotheksarchitektur ist ein klassisches und zugleich modernes Thema. So liegt der Schwerpunkt der Ausstellung vor allem auf der modernen Bibliotheksarchitektur. Ich bin sehr gespannt auf diese Ausstellung!

